Die Geschichte des Puppenspielers Pavel Truhlar klingt wie eines seiner Märchen. Ohne Arbeit kommt er nach Prag, entschließt sich Marionetten zu schnitzen und diese auf der Straße zu verkaufen. Heute hat er drei Läden in der Altstadt. „Du musst die Puppen fühlen“, sagt er, „dann sprechen sie mit dir.“ Leicht gebeugt steht er über seinem Theater. Jetzt spricht er mit der zerbrechlichen Stimme einer alten Dame, im nächsten Moment flucht er virtuos vor sich hin als raubeiniger Seemann, die untersten Schichten seines Vokabulars auslotend. Dabei dirigiert er die alte Dame und den Seemann mit seinen Fingern. Er zupft an den Schnüren wie an den Saiten eines Instruments. Und immer wieder, für einen kurzen Moment, sieht es so aus, als würde er zaubernd wie ein Magier seine Hände ausbreiten. Und schnell vergisst das Publikum, dass es sich bei den Darstellern um Holzfiguren handelt. Die Puppen entwickeln Persönlichkeit. „Du kannst mit der Marionette alles ausdrücken“, sagt Pavel Truhlar, „ein bisschen schauspielerisches Talent, ein bisschen Fingerfertigkeit – das ist alles. Den Rest kann man lernen. Alles, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht.“
